Jürgen Diebels baut Orsoyer Fähre nach

Rheinische Post, 24. März 2014
Jürgen Diebels baut Orsoyer Fähre nach
Von Svenja Jesse

Xanten. Nach dem Original Werftplan aus dem Jahr 1958 baut der 61-jährige Hobby-Modellbauer eine Miniatur der bekannten "Glück auf"-Fähre.

Hochkonzentriert steht Jürgen Diebels vor einem kleinen Tisch. In seiner Hand hält er einen Lötkolben und ist über ein Schiffsmodell von einem Meter Länge gebeugt. Jetzt bloß nicht wackeln: Vorsichtig lötet der 61-Jährige die Miniatur-Reling an dem Holzmodell fest. In seiner Werkstatt, einem kleinen Büro im Dachgeschoss, geht der ehemalige Außendienstarbeiter einem besonderen Hobby nach- er baut die Orsoyer "Glück auf" Fähre nach ihrem Originalplan. Im Maßstab 1:35 entsteht so eine exakte Kopie der Original Fähre von 1958.
Die Pläne dazu bekam Jürgen Diebels vom Betreiber der Orsoyer Fähre. "Ich habe ihm eine Mail geschrieben, nach ein paar Tagen hat er mir geantwortet und die Pläne angeboten", erzählt er. Auch erlaubte ihm der Fährmanne, die "Glück auf" zu besichtigen, auszumessen und Fotos zu machen.
Die Fähre ist Diebels erstes Modell nach Werftplan. "Ich wollte etwas, dass nicht schon zehn Mal auf dem Wasser ist", erklärt der Orsoyer. Zuvor hatte er bereits einen Spanischen Schlepper nachgebaut, aber die Fähre ist eine Herausforderung.

An der Tür im Hintergrund hängt der Plan. Mit Bleistift stehen dort Längen- und Höhenangaben. Vor Baubeginn musste der Modellbauer diese in den richtigen Maßstab umrechnen. Für das Modell benutzt er ausschließlich Holz "Damit arbeite ich unheimlich gerne und wollte auch nicht auf einen fertigen Kunststoffrumpf zurückgreifen." Wobei der Trend nun einmal zum Fertigmodell geht – Batterie einlegen und losfahren, berichtet der Modellbauer. Auch bieten immer weniger Geschäfte Schiffsmodelle an, lediglich Flugzeuge und Autos findet man dort noch.
Hilfe bekommt Jürgen Diebels von seinem Modellbauclub in Krefeld. "Meine Frau hat mir vor ein paar Jahren die Mitgliedschaft geschenkt", sagt er. Die Club-Kollegen helfen ihm beispielsweise bei der Elektronik, denn die Modelle haben auch funktionierende Lampen und einen Motor. In diesem Jahr feiert der Club sein 40-Jähriges Bestehen. Dazu findet eine Ausstellung der Modelle statt. Bis zum jährlichen Clubtreffen an Ostern wollte der 61- Jährige sein Fähren-Modell fertig haben. "Das werde ich wahrscheinlich nicht schaffen, aber ich setze mich da auch nicht unter Druck", erklärt er.
Seit fünf Jahren baut Diebels Schiffsmodelle. Zu Anfang noch mit Bausätzen, dann nach Bauplänen. Schon in seiner Jugend hatte er sich für Modellbau interessiert und später auch Flugmodelle gebaut. "Die sind leider schnell mal kaputt gegangen, deshalb habe ich damit aufgehört". Seit er in Altersteilzeit ist, hat er nun wieder mehr Zeit für sein Hobby. Ehefrau Heike unterstützt ihren Mann. "Ich male die Miniatur Besatzung an", erklärt sie. Denn die Miniaturfähre fährt natürlich nicht leer: Besatzung und 50er-Jahre-Autos stehen an Deck des rund fünf Kilo schweren Modells. Der Orsoyer ist zu Recht stolz auf seine bisherige Leistung. Aber – "ich habe gerade schon wieder etwas gesehen, das ich verbessern muss, doch bist jetzt bin ich sehr zufrieden", sagt er lächelnd.

Quelle: RP