Die kleine und die große Orsoyer Fähre

Rheinische Post, 31. Juli 2014
Die kleine und die große Orsoyer Fähre
Von Nicole Maibusch

Rheinberg. Modellbauer Jürgen Diebels zeigte Fährmann Dirk Nowakowski gestern erstmals die "Glück auf" im Maßstab 1:35.

Seit 2008 ist Dirk Nowakowski Chef der Glückauf-Fähre, die bei Rheinkilometer 792 täglich zwischen Walsum und Orsoy verkehrt. Das 9,5 Meter breite und 35,10 Meter lange Schiff, das 1958 erbaut wurde, ist ein bisschen wie sein Zuhause. Hier kennt er sich aus.

Als Nowakowski gestern erstmals den kleinen "Zwilling" seiner großen Fähre sah, war er absolut begeistert. Zu Recht. Das Holzmodell im Maßstab 1:35, das der Orsoyer Jürgen Diebels über anderthalb Jahre in rund 600 Arbeitsstunden gebaut hatte, ist ein wahres Schmuckstück. Gefertigt nach originalen Werftplänen aus dem Jahr 1958. Die hatte Dirk Nowakowski dem Modellbauer auf Nachfrage zur Verfügung gestellt.

Vorbehalte, die eigenen Pläne aus der Hand zu geben, hatte der Fährmann nicht. "Wenn ein Modellbauer meine Fähre nachbauen möchte, so ist das eine tolle Sache, die ich gerne unterstütze", sagt Nowakowski. Im Zweifelsfall könne man sich alte Baupläne nach gründlicher Recherche sowieso irgendwo im Internet herunterladen. Deshalb müsse er daraus kein Geheimnis machen. Und: "Fährschiffe sind im Modellbaubereich ohnehin unterrepräsentiert", meint Dirk Nowakowski augenzwinkernd.

Nachdem die kleine "Glück auf"-Fähre bereits mehrere Male erfolgreich den heimischen Gartenteich überquert hat, ließ Jürgen Diebels sie gestern auch an der Anlegestelle in Orsoy zu Wasser. Fazit: Motor, Rampe, Beleuchtung - alles funktionstüchtig. "Dennoch ist es im Rhein für das Fährmodell arg wellig", so der 61-jährige Orsoyer, der bei der Ausgestaltung des Schiffes auf die Mithilfe seiner Ehefrau Heike zählen konnte. Denn was Diebels nicht ahnte: Nicht nur der Bau des originalen Fährmodells von 1958 war eine Herausforderung. Dass die Miniaturfähre jetzt auch Figuren, Pkw und Mopeds im Stil der 1950er Jahre zieren, ist jeder Menge Geduld und Recherchearbeit geschuldet. "Die Modelloldtimer im Maßstab 1:32 haben wir aus einem Frankreich-Urlaub mitgebracht", erzählt Heike Diebels, die mit viel Liebe zum Detail geholfen hat, die Besatzungs- und Fahrgastfiguren anzumalen. Ganz schwierig sei es übrigens gewesen, an Modell-Fahrräder im Nachkriegsstil zu kommen. "Erst in einem Geschäft für Militärspielzeug sind wir fündig geworden", berichtet Diebels. Da müsse man erst mal drauf kommen.

Nach eineinhalb Jahren Arbeit freut sich der Orsoyer, seine "Glückauf" auch fahren zu sehen. Mit einer Funkfernbedienung, die allein mit mehreren Hundert Euro zu Buche schlägt, steuert er die kleine Fähre über den Gartenteich und das Gewässer des Krefelder Modellbauclubs. Das Modell als Schmuckstück zu sehen und in eine Vitrine zu stellen, käme dem 61-Jährigen nicht in den Sinn. "Ich will, dass ich mein Schiff auch fahren kann", so Diebels, der sich noch kein neues Projekt vorgenommen hat.

Quelle: RP