1000 Stunden Arbeit mit Originalplänen

Rheinische Post, 12. August 2013
Modellschiffbau: 1000 Stunden Arbeit mit Originalplänen
von Max Hermes

Krefeld. Sie sind um ein Vielfaches kleiner als die Originale, bewegen sich aber genauso sicher durch maritimes Terrain: Modellbauten von Schiffen, die jeweils an real existierenden Kähnen orientieren und die Wirklichkeit detailgetreu nachbilden. Am Wochenende zeigten Mitglieder des Modellbauclubs Krefeld einige ihrer Schätze, die sie in mühevoller Kleinarbeit zusammengebaut haben.

Heinz Hermann Kraft hat sein Schiff vom Typ Versorger in unvorstellbaren 1000 Arbeitsstunden zusammengebastelt. Während das bloße Montieren der Teile schon eine Kunst für sich ist, setzt der 76-Jährige noch einen Schwierigkeitsgrad obendrauf. „Mein Modell mit dem Namen NVG 6 ist nicht aus einem Baukasten heraus entstanden. Ich habe mir die Originalpläne des Schiffes besorgt und das dann in einem Maßstab von 1:50 nachgebaut.“ Ein Rettungsboot aus Holz und ein Schlauchboot zieren das Deck des Modells. Mehrere rote herumliegende Leitungsrohre sowie Container zeugen von der Funktion als Frachtschiff. Selbst die Mützen der sechsköpfigen Besatzung sind bestechend elegant abgerundet. Wenn Heinz Hermann Kraft sein 1,06 Meter langes und 23 Zentimeter breites Versorgungsschiff mit einem Tiefgang von sieben Zentimeter zu Wasser lässt, kann es ähnlich schnell fahren wie das Original: auf bis zu zwölf Knoten oder 20 Stundenkilometer beschleunigt es dann. Rund zwei Stunden lang geht das gut, ehe der sich im Innenraum befindliche Batterie die Energie ausgeht. „Ich baue jetzt schon seit 50 Jahren Modelle, habe früher nach der Arbeit jede freie Minute in das Hobby investiert. Jetzt als Rentner bin ich auch ständig damit beschäftigt“, erzählt Modellbauer Kraft.

Sein Vereinskamerad Rolf Hauser stellt am Elfrather See einen farbenfrohen Hochseeschlepper aus. „Der wird unter uns Bastlern wegen seiner gelb-roten Optik auch gerne Papagei genannt.“ Zwanzig Kilogramm ist der 1:50-Nachbau schwer. Eines der Highlights des Modells ist das Soundmodul, mit dem Sirenen- und Hupgeräusche nachgeahmt werden. „Ich habe mich für einen Modellbaukasten entschieden. An der Einrichtung gab es nichtsdestotrotz noch einiges nachzubessern“, zeigt der 65-jährige ehemalige Schlosser auf den Anker des Schiffes, den er genauso wie die Masten aus Messing verfeinert hat. Zwei mächtige kleine Getriebemotoren treiben den Kahn an. Um Spezialteile oder Baukästen für seine Modelle zu erwerben, muss der Rentner immer nach Mönchengladbach oder Düsseldorf fahren. „In Krefeld gibt es leider kein entsprechendes Fachgeschäft mehr. Dabei ist das ein tolles Hobby.“

Der Modellbauclub tut viel dafür, dass dieses auch an die nächste Generation weitergegen wird. Regelmäßig bietet der Verein Jugendprojekte an, hat den Nachwuchs etwa im vergangenen Jahr eine Flotte von Seenotrettungsbooten bauen lassen. Ihr Heimatgewässer haben die Modellbauer im Gewässer des Schönwasserparks.