Tüftler mit viel Fingerspitzengefühl

Westdeutsche Zeitung, 13. August 2012
Tüftler mit viel Fingerspitzengefühl
von jen

Modellbauclub hat Hobbyskipper zum Schaufahren eingeladen.

Krefeld. Imposante Segelschiffe, Schlepper mit Rauchgenerator und originalgetreue Marineboote drehen bei leichter Brise und Sonnenschein ihre Runden. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene stehen auf dem Steg und lassen die Modelle fahren. Rund 70 Mitglieder zählt der Modellbauclub Krefeld. Mit dem Schaufahren am Elfrather See will man allen Interessierten die Freude am Basteln und Fahren näher bringen.

Beim Modellbau spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Man arbeitet nicht nur mit den unterschiedlichsten Materialien, sondern lernt auch die Elektronik kennen. Die Schiffe enthalten oftmals interessante Details: „Ich benutze viele Alltagsgegenstände“, erzählt Heidulf Schulze. So fanden für die kleinen Bojen seines Fang- und Verarbeitungsschiffes „Orphey“ die Plastikdöschen aus Überraschungseiern Verwendung. „Man kann aus allem etwas machen, man muss nur kreativ sein“, sagt er. So hat er die Lampen aus Kugelschreiberspitzen gebaut, die Rollen für die Feuerwehrschläuche aus Garnspulen. Eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl und Kreativität verlangt. Sein 2,04 Meter langes Modellboot ist im Maßstab 1:50 gebaut und wiegt rund 40 Kilo. „Im Rumpf habe ich Gewichte angebracht, damit das Modell fahrtüchtig ist“, erzählt Schulze.

Seit seiner Schulzeit ist der ehemalige Rechtsanwalt dem Schiffmodellbau treu. „Ein Freund hatte einen Bausatz, da hab ich ihm geholfen und da war es um mich geschehen. Das Tüfteln macht einfach riesig Spaß.“ Doch nicht immer gelingt alles auf Anhieb: „Wenn ich dann einen Rappel kriege, kenne ich keine Grenzen mehr. Dann gehe ich auch schon mal morgens um sechs ins Bett“, erzählt er.

„Bei uns zählt Individualität“, sagt Mirco Pommerening. Einige Schiffe sind sogar mit Sound und anderer Technik ausgestattet. „Es gibt Kräne auf den Schiffen, die Wasser spritzen können. Manchmal simulieren wir Rettungsübungen“, sagt der Vorsitzende. Um jungen Leuten das Hobby näher zu bringen, hat der Club letztes Jahr Jugendboote gebaut. „Bis man solch ein Modell fertigstellt, braucht man um die 100 Stunden. Aber die Ergebnisse konnten sich sehen lassen“, erzählt er. Vor allem in der Jugendarbeit will der Modellbauclub noch einiges erreichen. „Wir suchen dringend einen Raum für unsere Bastelarbeiten.“ jen