Mini-Schiffe nach echten Werftplänen

Rheinische Post, 15. Mai 2012
Mini-Schiffe nach echten Werftplänen
von Anna Blauth

Krefeld (RP). Beim Schaufahren auf dem Elfrather See zeigten Mitglieder und Gäste des Modellbauclubs Krefeld, dass ihre Schiffsmodelle im Maßstab von 1:30 auch seetauglich sind. Sogar ein U-Boot drehte seine Runden. Viele Modelle sind nach Original-Werftplänen nachgebaut.

James Bond hat es vorgemacht: Ein Motorrad rast über das Wasser. Es fällt auf den ersten Blick kaum auf neben den Containerschiffen und U-Booten, die ebenfalls auf dem Elfrather See ihre Runden drehen. Dort war am Sonntag viel Betrieb. Die Mitglieder des Krefelder Modellbauclubs präsentierten mit befreundeten Vereinen ihre Schiffsmodelle. Zuschauer bekamen die besondere Gelegenheit, den Tauchgang eines U-Boots im Elfrather See zu verfolgen.

Das 1,16 Meter lange Boot ist im Maßstab 1:30 nachgebaut. "Es kann bis zu zehn Meter tief tauchen, hier würde es also auf Grund laufen", erklärt Karl-Heinz Gerhards, der Erbauer des Bootes. Zum Modellbau hat ihn sein technisches Interesse gebracht. "Hier kann man sich schön selbst verwirklichen", so Gerhards. Ein weiterer Höhepunkt war der Atlantik-Supertrawler "Orphey". Bei einem Grillabend mit Freunden kam Heidulf Schulze die Idee, das in der DDR hergestellte Fischfabriksschiff nachzubauen. Unterstützung erhielt er von seinem Freund Hermann Kraft, ebenfalls Mitglied des Modellbauclubs: "Ich hatte die Baupläne schon zuhause", erklärt Kraft. Der Rumpf aus Holz war schnell fertiggestellt, doch dann stockte das Projekt. "Der Rumpf lag lange im Keller, bis wir zusammen weitergemacht haben"; erzählt er schmunzelnd.

Die präsentierten Boote sind alle selbst gebaut, der Weg zum fertigen Modell bleibt jedoch jedem selbst überlassen: "Man kann Baukästen kaufen, dann muss man nur noch die Einzelteile ausschneiden und zusammenkleben", erklärt Torsten Hühn, Schriftführer des Modellbauclubs. Die Profis wählen jedoch meist einen anderen Weg: Sie besorgen sich den Werftplan eines Schiffes und bauen es maßstabsgetreu nach. "Dafür brauchen sie allerdings eine voll ausgestattete Werkstatt", so Hühn. Die Materialien sind sehr unterschiedlich, oftmals werden aus Kostengründen Abfallstücke verwendet. Schwarz angemalte Überraschungseier stellen die Fender – Puffer an der Schiffswand – dar, der kleine Feuerlöscher besteht aus einem Teil eines Kugelschreibers – Feinheiten, die der Zuschauer erst bei genauem Hinsehen entdeckt. "Manche bauen mehrere Jahre an einem Schiff", so Hühn.