U-Boot-Kapitän für 1100 Euro

Rheinische Post, 17. August 2010
U-Boot-Kapitän für 1100 Euro

(fs)Ob U-Boot oder historisch präzise nachgebauter Fischkutter mit winzigem kettengetriebenen Ruder: Mit Liebe zum Detail und akribischem Einsatz kommen Krefelds Modellschiffbauer immer wieder zu beeindruckenden Ergebnissen. Wir stellen einige Kapitäne und ihren Verein vor.

Krefeld. Eine steife Brise bläst über das Wasser. Ein Hafenschlepper nimmt Fahrt auf und kämpft sich durch den hohen Wellengang. Die Gischt spritzt über das Vorschiff. Wenige Meter weiter ist ein Segler gekentert. Was wie Alltag an einem stürmischen Tag an der Küste aussieht, ist eine Momentaufnahme des Schaufahrens auf dem Elfrather See, zu dem der Modellbauclub Krefeld eingeladen hatte.

Modellschiffbau - das Hobby muss nicht teuer sein, betont Mirco Pommerening vom Modellbauclub: „Es gibt Mitglieder, die viel Zeit und Detailliebe in ihre Arbeit investieren, und es gibt auch Leute mit den berühmten zwei linken Händen. Die bauen sich ihr Schiff aus vorgefertigten Teilen oder genießen es einfach, den Booten auf dem See zuzuschauen. Es gibt sogar einen gestressten Manager aus dem Finanzbereich, der sich einen bestimmten Tag in der Woche freihält, und beim Zuschauen, wie die Boote fahren, wieder innerliche Ruhe gewinnt."

Entstanden ist der Modellbauclub Krefeld in den 70er Jahren. Die meisten Schiffe werden mit einem Elektromotor betrieben (Benzinmotoren sind verboten). Liebhaber von Segelbooten gründeten bald einen eigenen Verein, den RC Segel- Yacht-Club Krefeld.

Der damalige 1. Vorsitzende Friedhelm Schölten zeichnet noch heute für den Erfolg des Vereins verantwortlich.

RP-Foto: Bastian Königs

Der Fischtrawler. Der Vorsitzende des Modellbauclubs Krefeld, Hans Moll (73), ist stolz auf seinen historisch genauen Fischtrawler. Das Vorbild wurde vor 110 Jahren gebaut. Heute liegt das Original in Amsterdam im Schifffahrtsmuseum. „Rund 900 Stunde habe ich in den Bau dieses Schiffes investiert", erklärt er und zeigt dabei auf viele Details. So wird etwa das Ruder noch über eine Kette angetrieben. Der Rumpf besteht aus Polyester und wurde wie die Takelage in Handarbeit gefertigt.

 

RP-Foto: Bastian Königs

Der Dampfschlepper. Knapp sieben Kilogramm wiegt „Artur", ein historischer Dampfschlepper. Der IT-Spezialist Mirco Pommerening ist mit seinen 36 Jahren eines der jüngsten Mitglieder im Verein. Mit viel Liebe zu Detail, es gibt sogar einen Kapitän und einen Matrosen an Bord, hat er rund 300 Arbeitsstunden investiert. Der Schlepper ist 81 cm lang und 21 cm breit. Die Besonderheiten sind ein Rauchgenerator, damit der Schlepper auch dampft, eine nautische Beleuchtung, also die Positionslampen und eine richtige Schleppfunktion.

 

RP-Foto: Bastian Königs

Das U19. Zwei Jahre hat Wolfram Manske (49) an dem Nachbau von U19 gearbeitet. „Mich hat vor allem die Technik an diesem Modell interessiert" erzählt Manske, der alles selbst konstruiert und gebaut hat. Knapp 1100 Euro an Material, ohne Fernsteuerung, hat er investiert. „Bis zu 1,80 Meter kann das Boot tauchen. Mit der Zeit hat man ein Gespür, wo es sich ungefähr unter Wasser aufhält" erklärt er. Eine spezielle Gummidichtung zwischen dem Rumpf und dem Oberteil schützt das U-Boot bei Tauchfahrten vor Wassereinbruch.

 

RP-Foto: Bastian Königs

Der Segler. Kein gutes Wetter herrschte am Sonntag für den schnittigen Regatta-Segler, den Friedhelm Schölten (62) mit zum Elfrather See gebracht hatte. Knapp fünf Kilogramm wiegt der etwa 1,30 Meter lange Segler. „Die Segel sind aus kunststoffbeschichteter Zeichenfolie gefertigt", erklärt Schölten. Der Segler erreicht bis zu sechs, sieben Knoten, umgerechnet sind das elf bis dreizehn Stundenkilometer. Der Regatta-Segler war in 15 bis 20 Stunden Bauzeit fertig. Verwendet wurden überwiegend vorgefertigte Bauteile.

 

Info

Termin im Freibad Hüls
Einen Termin sollten sich die Freunde des Modellbaus schon einmal vormerken: Am 25. September zwischen 17 Uhr und 21 Uhr können die Schiffe im Freibad Hüls bestaunt werden, wenn sie während der Beleuchtungsfahrt über das Wasser gleiten.