Schiffe vom Winde verweht

Westdeutsche Zeitung, 16. August 2010
Schaufahren: Schiffe vom Winde verweht
von Egon Traxler

Elfrather See: Starker Wind und heftiger Regen können einen echten Modellbauer nicht schrecken.

Krefeld. Regelrecht verweht hat es das Schaufahren des Modellbauclubs Krefeld gestern auf dem Elfrather See. Starker Wind, hohe Wellen und Regen sorgten dafür, dass sich nur eine Handvoll Schiffbauer und Zuschauer an die Regattastrecke vor dem Cafe Seehaus verirrten. Mirco Pommerening, Schriftführer des Clubs, zuckt die Schultern und zieht den Reißverschluss seiner Regenjacke hoch: „Damit müssen wir leben. Es ist eben ein Hobby, das unter freiem Himmel stattfindet.“

„Es muss schon Minusgrade geben, bevor ich zu Hause bleibe.“

Befreundete Clubs aus Venlo und Duisburg haben wegen des Wetters abgesagt. Auch von den eigenen Mitgliedern sei nur ein kleiner Teil erschienen. „Schade, das ist das erste Mal in den vergangenen vier Jahren, dass das Wetter nicht mitspielt“, bedauert Pommerening. Der 36 Jahre alte IT-Techniker ist aber zuversichtlich, dass die nächste Schaufahrt am 25. September im Freibad in Hüls – eine Beleuchtungsfahrt übrigens – wieder unter guten Bedingungen verläuft.
Wetterfest hingegen sind sowohl Ralph Galke (45) aus Köln als auch sein Hochsee-Schlepper „No Fear“. „Das muss schon Minusgrade geben, bevor ich zu Hause bleibe“. Der Maler und Lackierer verweist darauf, dass sein Schlepper „auch eisgängig“ sei. Immerhin das muss das Modell in Elfrath nicht beweisen. Das Schiff im Maßstab 1:20 ist 30 mal acht Zentimeter groß und hat eine unglaubliche Kraft. Galke: „Der zieht locker ein Schlauchboot mit mir und meinem sechs Jahre alten Neffen hinter sich her.“ Fünf Stunden lang laufe der Akku unter voller Belastung.

Das Modell des Tankers „Hamburg“ passt in keinen Lieferwagen

Aber die „No Fear“ und der Segler „Micro Magic“ sind nur die kleineren Modelle Galkes. Auf seiner „Werft“ in Köln arbeitet er derzeit am Modell des Tankers „Hamburg“. Der passt mit dreieinhalb Metern Länge und einem fahrbereiten Gewicht von fast 500 Kilogramm auch nicht mehr in seinen Lieferwagen. Das Modell ist ein ähnliches Kaliber wie der Nachbau der „Exxon Valdez“, die ebenfalls bei Ralph Galke vor Anker liegt.