Schaufahren Freibad Hüls

Rheinische Post, 30. September 2009
Hüls: Erste Wettfahrt mit Modellschiffen
von Otmar Sprothen

Hüls Immer tiefer liegt der Panzerkreuzer „Scharnhorst" im Wasser, bis nur noch die Toppen herausragen.
Dann verschwindet der Stolz der kaiserlichen Marine mit dem Heck voran im Wasser des Hülser Freibads. Anders als das 1914 von der englischen Flotte bei den Falkland-Inseln versenkte Vorbild taucht sein im Maßstab 1:100 erstellter Nachbau nach mehreren Fontänen ausgestoßenen Wassers zur Freude der zahlreichen Besucher des Schaufahrts- und Ausstellungstages des Modellbauclubs Krefeld (MBC) wieder auf.

„Ein Modell, das nicht schwimmt, wirkt wie ein toter Fisch", urteilt MBC-Schriftführer Mirco Pommerening. Auf ihn geht die Idee zurück, mit ausgesuchten Schiffsmodellen zwischen Erwachsenen und Kindern Wettfahrten machen zu lassen. Dazu hat der Verein mit Bojen sechs Tore auf der Wasserfläche verteilt. Heinz-Hermann Kraft, der stellvertretende Vorsitzende des 50 Mitglieder zählenden Vereins, lächelt, als er bemerkt, dass sich die ersten Wettkämpfer mit dem Lenken schwer tun: „Mit einer Fernbedienung umzugehen, will gelernt sein.“

Zum sechsten Male haben die Modellschiffbauer ihr Hausgewässer im Schönwasserpark verlassen, um nach dem Ende der Badesaison im Hülser Freibad ihr Hobby einem breiteren Publikum vorzustellen. „Die windgeschützte Lage schützt unsere Modelle vor Wellenschlag, und wir haben eine große Fläche, auf der wir unsere Modelle präsentieren können", sagt Kraft. Von der Bohrinsel bis zum U-Boot ist auf dem Wasser jede maritime Variante vertreten.

Aufsehen erregt an Land der Nachbau des Raddampfschleppers ,,Friedrich Haschke" im Maßstab 1:50, an dem der Duisburger Siegfried Röhlig elf Jahre gebaut hat. Ohne Baupläne musste sich Röhlig vom Generalplan her an die richtigen Proportionen herantasten und für die Details unzählige Feinzeichnungen anfertigen.

„Man muss eine Beziehung zu dem Modell herstellten, sonst hält man bei Schwierigkeiten nicht durch", bemerkt Pommerening. Er baut das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" nach, das er bei einem "Tag des offenen Schiffs" besucht hat. Für dessen 2,36 Meter langes Modell rechnet er mit einer Bauzeit von fünf Jahren. "Im Keller baue ich drei Module, die ich dann in der Garage zusammensetze", ist sein Plan. „Ein Vereinskamerad musste neulich seine Terrasse aufreißen, um sein Schiffsmodell nach draußen zu schaffen."