Ausstellung Schloss Greiffenhorst

Westdeutsche Zeitung, 05. April 2009
Modellbau-Ausstellung: Eine Reise im Maßstab 1:75
von Egon Traxler
In Haus Greiffenhorst zeigen Modellbauer 100 Selbstbau-Schätze.


Krefeld.
Wer die Augen schließt und ein wenig Phantasie mitbringt, hört die Rahen knarren, spürt den Wind auf der Haut und schmeckt die salzige Gischt, die über die Reling sprüht.

Er steht auf den Teak-Planken der „Amerigo Vespucci“, dem hundert Meter langen, italienischen Segelschulschiff. Allerdings nur im Maßstab 1:75. Das Modellschiff von Peter Zuber steht neben zwei anderen Drei-Mast-Segelschiffen in der Ausstellung des Modellbauclubs Krefeld (MBC).

Zwei Tage lang haben die Besucher am Wochenende rund 100 Exponate im Greiffenhorst-Schlösschen in Linn begutachtet. „Der Wert der Schiffe und Boote lässt sich nicht beziffern“, sagt Klubvorsitzender Hans Moll. Die Hobby-Schiffbauer schaffen nicht Werte, sondern Authentizität, höchst genaue Nachbauten.

Der Hamburger Hafen: Gebaut in 45 Jahren Bastelarbeit

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen im Erdgeschoss Hamburger Hafenanlagen ein. An den Kais und Lagerschuppen liegen Frachtschiffe, Hafenschlepper, Lotsenboote. Schiffe über Schiffe. „Was da zu sehen ist, das waren rund 45 Jahre Arbeit“, stellt Heinz Hermann Kraft (72) sein Lebenswerk vor. Es ist die größte existierende Modell-Hafenanlage.

Gleich nebenan das Prunkstück, die „Titanic“. „Die lässt sich auch versenken“, erläutert Kraft, stellvertretender MBC-Vorsitzender. Zu bewundern auch die Kreuzer „Prinz Eugen“ und „Bismarck“. Ob hier allerdings die Detailtreue bis zum Hakenkreuz auf dem Vorschiff gehen muss, darf bezweifelt werden.

Aus Oberhausen angereist ist Berufsfeuerwehrmann Peter Linde (40). Er kommt quasi zum Fachsimpeln. „Die Ausstellung hier finde ich toll, weil sie einen sehr schönen Überblick über die verschiedenen Schiffstypen gibt.“

Über die Dauer der Fertigung eines Modellschiffs gibt der Rohbau des Forschungsschiffes „Polarstern“ in der ersten Etage Auskunft. Mirco Pommerening hat dort den nackten Polyester-Rumpf im Maßstab 1:50 ausgestellt. Auf einem Schild davor steht: „Geplante Fertigstellung 2012.“ Erhard Bandisch gehört zu den Spaßvögeln der Modellbauer.

Sein 1:25-Feuerlöschboot nutzt der 76-Jährige bei Wasser-Vorführungen gerne auch zum Bespritzen des verdutzten Publikums. Zu sehen ist das am kommenden Karfreitag beim „Anfahren“ im Schönwasserpark ab zehn Uhr.